Ein gutes Herbarium ist mehr als eine Sammlung gepresster Blätter. Es zeigt, wo eine Pflanze wächst, wie sie sich bestimmen lässt und was sich durch sorgfältiges Beobachten über ihre Lebensweise lernen lässt. Ich zeige, wie das Sammeln, Pressen, Beschriften und Archivieren gelingt und wie sich daraus eine sinnvolle Unterrichtsaufgabe für die Grundschule entwickeln lässt.
Die wichtigsten Schritte führen von der Beobachtung zur dauerhaft beschrifteten Pflanze
- Nur wenige, häufige Pflanzen sammeln und geschützte Arten sowie Naturschutzgebiete meiden.
- Frische Exemplare noch am selben Tag zwischen saugfähigem Papier einlegen.
- Je nach Dicke dauert das Pressen meist eine bis drei Wochen.
- Jedes Blatt mit Art, Fundort, Datum, Lebensraum und Sammler beschriften.
- Im Unterricht verbindet die Aufgabe Naturbeobachtung, Sprachbildung und Sachunterricht.

Ein Herbarium anlegen beginnt mit einem klaren Sammelziel
Wer ein Herbarium anlegen möchte, sollte nicht einfach alles sammeln, was interessant aussieht. Eine kleine Auswahl von sechs bis zehn typischen Pflanzen ist für Kinder meist sinnvoller als ein überfüllter Ordner, denn jede Pflanze kann genau betrachtet, bestimmt und dokumentiert werden.
Ich empfehle, vor dem ersten Spaziergang eine einfache Fragestellung festzulegen. Soll das Herbarium Pflanzen vom Schulhof zeigen, Blattformen vergleichen oder typische Wiesenpflanzen dokumentieren? Ein solches Ziel gibt der Sammlung eine erkennbare Ordnung und verhindert, dass das Projekt in reines Basteln abrutscht.
Diese Ausstattung reicht für den Anfang
| Material | Wofür es gebraucht wird | Einfache Alternative |
|---|---|---|
| Sammelmappe oder Papiertüten | Schonender Transport der frischen Pflanzen | Gefaltete Zeitung |
| Saugfähiges Papier | Aufnahme der Pflanzenfeuchtigkeit | Zeitungspapier ohne glänzende Farbseiten |
| Zwei feste Bretter und Gurte | Gleichmäßiger Druck beim Pressen | Schwere Bücher |
| Weiße Blätter im DIN-A4-Format | Aufkleben und Beschriften | Fester Zeichenkarton |
| Bleistift, Lupe und Bestimmungsbuch | Beobachten, notieren und bestimmen | Digitale Bestimmungshilfe unter Anleitung |
Eine professionelle Pflanzenpresse ist nicht notwendig. Mit Brettern und mehreren Lagen Papier lässt sich für wenige Euro mit Haushaltsmaterial zuverlässig arbeiten. Entscheidend ist weniger das Werkzeug als der gleichmäßige Druck und der regelmäßige Wechsel feuchter Papierlagen.
Pflanzen sammeln, ohne Natur und Kinder zu gefährden
In Deutschland gilt die sogenannte Handstraußregel. Häufige wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Früchte und Zweige dürfen an zugänglichen Stellen in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf entnommen werden. Das gilt jedoch nicht für geschützte Pflanzen, gesperrte Flächen oder Arten, deren Bestand gefährdet ist.
Für eine Schulklasse ist es am sichersten, auf dem eigenen Schulgelände, im Schulgarten oder auf einer ausdrücklich freigegebenen Fläche zu sammeln. In Naturschutzgebieten können strengere Regeln gelten. Ich würde Kindern außerdem grundsätzlich vermitteln, dass eine Pflanze nicht ausgerissen werden muss, wenn ein beblätterter Trieb oder ein einzelnes Blatt für die Aufgabe genügt.
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Der richtige Zeitpunkt und eine gute Auswahl
- Bei trockenem Wetter sammeln, möglichst nachdem der Morgentau verschwunden ist.
- Gesunde, unbeschädigte Exemplare mit Blatt und, wenn vorhanden, Blüte auswählen.
- Keine Pflanzen von Straßenrändern, stark gedüngten Flächen oder Hundewiesen verwenden.
- Vor dem Pflücken ein Foto vom Standort machen und auffällige Merkmale notieren.
- Unbekannte Pflanzen nicht probieren und nach dem Sammeln die Hände waschen.
Für jüngere Kinder eignen sich robuste und häufige Arten wie Löwenzahn, Gänseblümchen, Spitzwegerich, Ahornblätter oder Gräser. Bei giftigen oder hautreizenden Pflanzen ist Zurückhaltung angebracht. Im Unterricht zählt die genaue Beobachtung mehr als eine möglichst große Artenzahl.
Pressen und Trocknen entscheidet über die Qualität
Frische Pflanzen welken schnell. Deshalb sollten sie noch am Tag des Sammelns in die Presse kommen. Bis dahin bleiben sie locker zwischen Papier, nicht in einem dicht verschlossenen Plastikbeutel, denn dort entsteht leicht Kondenswasser.
- Die Pflanze vorsichtig zwischen zwei trockene Papierlagen legen.
- Blätter und Blüten so ausrichten, dass typische Formen sichtbar bleiben.
- Bei dickeren Stängeln einzelne Blätter entfernen oder den Stängel längs teilen.
- Mehrere Papierlagen zwischen die einzelnen Pflanzen legen.
- Die Presse oder den Bücherstapel gleichmäßig belasten.
- Nach dem ersten Tag das Papier kontrollieren und feuchte Lagen austauschen.
Die meisten flachen Pflanzen sind nach ein bis drei Wochen vollständig trocken. Das hängt von Wassergehalt, Dicke und Raumklima ab. Fühlt sich ein Exemplar noch weich oder kühl an, darf es nicht aufgeklebt werden, sonst drohen Schimmel und Verfärbungen.
Die Presse sollte an einem trockenen, gut belüfteten Ort stehen. Heizung, direkte Sonne und starke Hitze beschleunigen zwar das Trocknen, lassen Blüten aber oft brüchig werden oder ihre Farbe verlieren. In meiner Erfahrung ist ein langsamer, kontrollierter Prozess deutlich zuverlässiger als ein schnelles Trocknen mit Wärme.
Beschriften und archivieren macht aus Pflanzen Lernmaterial
Eine gepresste Pflanze ohne Angaben verliert schnell ihren Wert. Auf jedes Blatt gehört deshalb ein gut lesbarer Steckbrief. Auch wenn die Art zunächst nicht sicher bestimmt ist, sollten Fundort und Datum sofort notiert werden, denn diese Informationen lassen sich später kaum zuverlässig rekonstruieren.
| Angabe | Beispiel |
|---|---|
| Deutscher Pflanzenname | Gänseblümchen |
| Wissenschaftlicher Name | Bellis perennis |
| Fundort | Schulhof, sonniger Rand des Beetes |
| Funddatum | Tag, Monat und Jahr |
| Lebensraum | Wiese, Wegrand, Wald oder Garten |
| Name der sammelnden Person | Vorname oder Kürzel |
Für eine schulische Sammlung genügt ein Blatt pro Pflanze. Die Pflanze wird mit wenigen kleinen Klebepunkten oder schmalen Papierstreifen befestigt, damit wichtige Teile sichtbar bleiben. Zu viel Klebstoff macht Papier wellig und erschwert später die Betrachtung.
Ich würde zusätzlich eine kleine Zeichnung, ein Foto vom Fundort oder eine Beobachtung zum Geruch und zur Blattoberfläche zulassen. Eine Laminierung sieht zwar ordentlich aus, ist für ein Herbarium aber ungünstig, weil eingeschlossene Restfeuchte Schimmel begünstigen kann. Besser ist eine trockene Mappe, die lichtgeschützt und flach gelagert wird.
Im Unterricht wird aus dem Sammeln eine Forscheraufgabe
Das Thema passt besonders gut in den Sachunterricht, weil Kinder dabei mit einem echten Gegenstand arbeiten und mehrere Kompetenzen verbinden. Sie beobachten, vergleichen, verwenden Fachbegriffe, halten Daten fest und überprüfen ihre Vermutungen. Der praktische Ablauf kann sich über drei Unterrichtsphasen erstrecken.
| Phase | Inhalt | Lernschwerpunkt |
|---|---|---|
| 1. Entdecken | Pflanzen auf dem Schulhof oder in der Umgebung beobachten und auswählen | Lebensräume und Merkmale wahrnehmen |
| 2. Konservieren | Pflanzen ordnen, pressen und Feuchtigkeit kontrollieren | Sorgfalt, Planung und Ursache-Wirkungs-Denken |
| 3. Dokumentieren | Arten bestimmen, Steckbriefe schreiben und Ergebnisse vorstellen | Fachsprache, Schreiben und Präsentieren |
In der Grundschule muss die wissenschaftliche Bestimmung nicht im Vordergrund stehen. Jüngere Kinder können Blattformen, Farben und Standorte vergleichen, während ältere Schülerinnen und Schüler einfache Bestimmungsschlüssel nutzen oder deutsche und wissenschaftliche Namen gegenüberstellen.
Eine gute Bewertung sollte nicht nur das Aussehen der Mappe berücksichtigen. Sinnvoller sind Kriterien wie vollständige Beschriftung, sorgfältiger Umgang mit Pflanzen, nachvollziehbare Beobachtungen und die Fähigkeit, eine Art mit eigenen Worten zu beschreiben. Wer nicht sammeln darf, kann dieselben Ziele mit Fotos, Falllaub oder Pflanzen aus dem Schulgarten erreichen.
Diese Fehler lassen sich leicht vermeiden
| Häufiger Fehler | Folge | Bessere Lösung |
|---|---|---|
| Die Pflanze wird erst Tage später gepresst | Sie welkt und verliert Blätter | Am selben Tag einlegen |
| Zu viele dicke Pflanzenteile bleiben am Stängel | Die Mitte trocknet nicht durch | Stängel längs teilen oder reduzieren |
| Feuchtes Papier bleibt in der Presse | Schimmel und dunkle Flecken entstehen | Papier nach einem Tag und danach regelmäßig prüfen |
| Fundort und Datum fehlen | Die Pflanze ist später kaum einzuordnen | Notizzettel schon beim Sammeln ausfüllen |
| Die Blüte wird vollständig mit Klebstoff bedeckt | Merkmale sind nicht mehr sichtbar | Nur wenige Punkte oder Papierstreifen verwenden |
Ein weiterer Denkfehler besteht darin, nur nach der schönsten Pflanze zu suchen. Für das Lernen sind typische und gut erkennbare Exemplare hilfreicher als besonders seltene oder empfindliche Arten. Die Sammlung sollte außerdem regelmäßig auf Feuchtigkeit und kleine Fraßspuren kontrolliert werden.
Eine kleine Sammlung kann lange weiterlernen lassen
Ein gelungenes Herbarium muss weder groß noch perfekt sein. Entscheidend sind eine verantwortungsvolle Auswahl, vollständig trockene Pflanzen und Angaben, die auch Monate später noch verständlich sind.
Wer die Sammlung nach Lebensräumen, Blattformen oder Jahreszeiten ordnet, kann sie immer wieder erweitern. So wird aus einer einmaligen Bastelaufgabe ein dauerhaft nutzbares Lernarchiv, das Naturbeobachtung, Dokumentation und die Freude am genauen Hinsehen miteinander verbindet.
